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Über das Schreiben mit der Hand
Im Sommersemester 2006 habe ich an der FH Wiesbaden/Studiengang Kommunikationsdesign
Schrift und Kalligrafie unterrichtet. Neben Theoretischem waren praktische Übungen von großer
Bedeutung. Das Schreiben mit der Hand als eine gestalterische Grundlage für weitere Projekte
im Bereich Typografie und Typedesign ist von unschätzbarem Wert. Einerseits sensibilisiert es den
Gestalter und hilft zu erkennen, dass es Formengesetze gibt, die über Jahrhunderte für die Schrift
und die Typografie verbindlich geblieben sind. Andererseits fördert das Schreiben unsere künstle-
rische Ausdrucksfähigkeit, unsere Persönlichkeit und schärft unseren Geist - und somit auch die
Fähigkeiten, die diesem nachgesagt werden. Erst wenn Gesetzmäßigkeiten erkannt und verstanden
sind, kann mit ihnen gebrochen werden. Hier beginnt die gestalterische Kompetenz und Kreativität.
In der Fachhochschule und bei vielen Workshops habe ich immer wieder erlebt, dass die Mehrzahl
der »Anfänger« nicht ahnt, was in der eigenen Handschrift steckt. Die »Schriftlehre« hat bei den
meisten nach der 4. Grundschulklasse aufgehört. Seit dieser Zeit wurde die Ästhetik der Buchstaben
ziemlich vernachlässigt.
Da jedoch Signets, Claim und Headlines im angewandten Grafik-Design zunehmend handschriftlich
umgesetzt werden, habe ich einen Teil des Unterrichts der Handschrift gewidmet. Durch bestimmte
Rhythmusübungen (vorerst ohne Bedeutungsinhalte), verschiedene Federhaltungen und selbst
gemachte Werkzeuge bekommt die eigene Handschrift mit ihrem unendlichen Formenreichtum, einen
ganz eigenen, künstlerischen Ausdruck ... und die Hand ein neues »Selbstbewusstsein«.
Durch die überzeugenden Resultate und die zeitgemäße Aufgabenstellung wurde die »Handschriftliche
Schriftzugentwicklung« im Lehrplan fest integriert.
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